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Geschichte & Beschreibung
Haus Eulenbroich


Am südöstlichen Rand des Königsforstes, nur wenige Kilometer von Köln entfernt, liegt Rösrath. Hier finden wir mit den Häusern Eulenbroich, Venauen, Stade und Obersülz eine ganze Burgensammlung vor. Direkt im Ortskern führt ein kleiner Weg hinunter in die teilweise noch immer sumpfige Auenniederung der Sülz zur Wasserburg Eulenbroich. Eine kleine Abzweigung des Flusses speist den Teich und die Wassergräben, die sich schützend um den ehemaligen Rittersitz legen. Über eine mit winzigen Kanonen bewehrte Steinbrücke führt der Weg auf das Torhaus zu, das mit seinen zwei Stockwerken und einem Kuppeldach dem Besucher Respekt abzollt. Auf dem Schlußstein des Torbogens prangt das Wappen von Johann Werner von Francken aus dem 18. Jahrhundert. Durch die Toröffnung fällt der Blick über einen kleinen Hof auf das vornehme zweigeschossige Herrenhaus. Ursprünglich 1750 erbaut, hat es heute nach vielen gründlichen Umbauten eher den Charakter einer großbürgerlichen Villa des beginnenden 20. Jahrhunderts denn den eines Burghauses. Hinter dem Haus, wo früher ein englischer Landschaftsgarten war, findet sich heute eine verträumte Auenlandschaft mit Ententeichen.

Die Frühgeschichte des kleinen, einst landtagfähigen Rittersitzes, liegt weitgehend im Dunkeln. Ausgrabungen aus jüngerer Zeit bestätigen die Existenz einer Burganlage in der sumpfigen Niederung der Sülz bereits um 1250. Es bleibt ebenso ungewiß, ob die häufig genannten Ritter zu Ulenbroich bis ins 14. Jahrhundert Herren der Burg sind. Zwischen 1388 und 1401 erwirbt Wilhelm Stael von Holstein sen. Haus Eulenbroich. Seine Familie bleibt für fast 400 Jahre im Besitz der Anlage. Wie die Burg aussieht, die sie übernehmen, ist bis heute nicht geklärt. Dagegen ist der gotische Bau, den Wilhelm Stael von Holstein 1480 erbauen läßt, bekannt. Er läßt Eichenpfähle in den sumpfigen Boden rammen, die im Wasser stehend ein tragfähiges Fundament für die schwere Baumasse der Anlage bilden. Auch bei vielen anderen rheinischen Niederungsburgen finden wir diese Pfahlgründungen, die erst heute, bei gesunkenem Wasserspiegel, die Gebäude in Gefahr bringen. Auf dem stabilen Untergrund entsteht eine zweiteilige Anlage mit getrennter Vor- und Hauptburg. Die Vorburg bildet mit ihren drei Fachwerkflügeln ein offenes Hufeisen zu dem auf eigener Insel gelegenen Herrenhaus.

1750 läßt Andreas Johann Wilhelm Stael von Holstein auf den noch heute erhaltenen mächtigen Kellergewölben das überlieferte Herrenhaus aufführen, nachdem der Altbau möglicherweise durch die Spätfolgen des Dreißigjährigen Krieges baufällig geworden ist. Inspiriert von den eleganten Landsitzen des 18. Jahrhunderts, entsteht der Neubau als stattliches zweigeschossiges Landschlößchen mit modischem Walmdach. Die Zweiteilung von Vor- und Hauptburg wird noch zu Lebzeiten des Bauherrn aufgegeben, der Hof unter Verzicht auf den trennenden Wassergraben mit Erde aufgefüllt. Nach seinem Tode kauft der Burgnachbar Johann Werner Freiherr von Francken zu Venauen den Besitz. Er verändert die Vorburg durch den Bau des stolzen Torhauses, wo er auch sein Familienwappen anbringen läßt. Durch den Verlust seiner politischen Ämter und eine unglückliche Heirat mit seiner Magd zeichnet er das Schicksal von Verarmung in seiner Nachkommenschaft vor. Der Besitz verkommt total. Aus der Rösrather Geschichte wird überliefert, daß selbst Fensterbänke und Fußbodendielen verheizt wurden, um den kalten Winter zu überstehen. Erst 1871 rettet ein bürgerlicher Käufer, der Rösrather Bürgermeister Rohr, die Anlage vor dem Untergang. Erste Photographien vom Ende des letzten Jahrhunderts zeigen die renovierte Burg mit ihren beiden Seitenflügeln in wieder gutem Zustand.

In der Folgezeit wechseln die Eigentümer ständig, sorgen zwar für den Erhalt der Gebäude, verändern sie aber immer wieder ohne Rücksicht auf die historische Substanz. So wird im Portalbereich des Herrenhauses, zu dem eine zweiläufige Treppe führte, der rechte Teil durch einen halbrunden Terrassenvorbau mit Brunnennische am Sockel erweitert. Im Dach wird eine Mansarde eingebracht. Nach der Jahrhundertwende wird auf der rückwärtigen Seite ein Wintergarten angefügt. Barocker Volutenschmuck, Vasen und Grinköpfe verändern zusätzlich das Gesamtbild. Da die bäuerlichen Einrichtungen der früheren Burg fehlen, entledigt man sich auch großer Teile der Vorburg. Der Nordflügel und Teile des Westflügels werden abgerissen. Der Park erfährt eine Änderung als Landschaftsgarten nach englischen Vorbildern. Nach allen Umbauten erscheint Eulenbroich am Ende als elegante bürgerliche Residenz. Als »Burg der Bürger« darf sie spätestens seit 1973 gelten. Die Gemeinde Rösrath übernimmt 1981 den Besitz, richtet die Gemeindeverwaltung in den historischen Räumen ein und bietet sie gleichzeitig für festliche Empfänge und kulturelle Veranstaltungen an. Zu den besonderen Ereignissen gehören heute die Kammerkonzerte im Bergischen Saal des Erdgeschosses, die jährlich im Rahmen der Kulturförderung angeboten werden. In der Vorburg residiert der Rösrather Geschichtsverein, der sich sehr um die Heimatgeschichte und die Erhaltung denkmalgeschützter Bauten bemüht.