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Geschichte & Beschreibung
Schloß Homburg

Wenige Kilometer nordwestlich von Waldbröl liegt auf einer Bergkuppe das alte Kirchspiel Nümbrecht, das 1131 urkundlich bezeugt ist. In der Pfarrkirche im historischen Kern des Ortes finden wir die Grabkapelle der Grafen von Sayn. Von ihrem nahegelegenen Schloß Homburg aus haben sie über Jahrhunderte hinweg den Ort und ihre Grafschaft als machtvolle Enklave im Bergischen Land beherrscht.

Im hohen Mittelalter gleicht das »Homburger Ländchen« einer Insel, eingeschlossen vom Herrschaftsraum der Grafen von Berg und von der Mark. Im 13. Jahrhundert gelingt es den Grafen von Sayn ihren Einfluß von ihrer Feste Blankenberg an der Sieg aus über den Brölbach hinaus bis nach Gummersbach auszudehnen. Während das Haus Berg sich mehr um die Macht in den rheinnahen, wirtschaftlich stärkeren Regionen sorgen muß und darauf bedacht ist, ein Vordringen der Kölner Erzbischöfe zu verhindern, nutzen die Herren von Sayn das Machtvakuum im oberbergischen Raum. Bis 1385 schaffen sie sich ein zusammenhängendes Gebiet aus den Kirchspielen Nümbrecht, Morsbach, Waldbröl, Wiehl und Much.

Den eigentlichen Vermögensgrundstock dazu bietet im Jahre 1259 die Heirat Gottfried I. von Sayn mitJutta von Isenburg, die mit Holstein, Homburg und Freusburg ein reiches Erbe mit in die Ehe bringt. Schon bald nach der Hochzeit beginnt man mit dem Bau der »Hohen Burg« über der im sumpfigen Bröltal gelegenen Feste Holstein. Sie soll zum Schutze des neu gewonnenen Territoriums und als deutlicher Gegenpol zur Burg Windeck an der Sieg ein Zeichen setzen.

Von dem Zerstörungswerk des Dreißigjährigen Krieges bleibt die Burg weitgehend verschont. Während alle Welt in die Unruhen verwickelt ist, gelingt es 1635 dem Grafen Ernst von Sayn, der sich bereits als Reiteroberst in den Diensten der Schweden einen Namen gemacht hat, die Alleinherrschaft auf Homburg zu ergattern und fortan auch am Ort zu wohnen. Als seine Dynastie nach über 100 Jahren ohne Nachkommenschaft zu Ende geht, fällt die Macht wieder an die Linie Sayn-Wittgenstein zurück, die das Schloß dem allmählichen Verfall preisgibt.

Französischer Besatzungsort, Försterwohnung, Steinbruch - das sind die letzten Stationen. Erst 1926 wird das Interesse am Erhalt der verbliebenen Gebäude wiedererweckt. In die Architektur der Burg bringt fast jede Generation der saynschen Familie ein Stück Geschichte mit ein. AlsGraf Gottfried I. von Sayn mit dem Bau seiner Burg auf dem felsigen Untergrund des Brölbergsporns beginnt, bezieht er eine dort bereits länger bestehende Bastion mit ein. Es ist ein rechteckiger Wohnturm, der noch heute mit seinem massiven Mauerwerk weit in den Schloßgraben hineinragt. Ein später abgetragener, über die Ostecke gestellter Treppenturm verbindet fünf Stockwerke miteinander. In den unteren, in den Felsen hineinragenden Geschossen liegen die Waffenkammern. Das wenige Licht kann nur durch Schießscharten in die Wehrräume eindringen. Erst über den schweren Kellergewölben, ab dem vierten Stockwerk, liegen in sicherer Höhe die Wohnräume der Burg.

Bereits um den ältesten Teil der Anlage muß schon ein starker Mauerring mit Gräben bestehen, der sich um den ganzen oberen Teil des Burgberges zieht. Der Zugang zum Burghof ist nur über eine Zugbrücke möglich, an deren Stelle später die Steinbogenbrücke zum »Haantor«, dem Haupteingang, führt. Gottfried von Sayn beginnt vermutlich als erstes, an den Wohnturm anzubauen, den Bergfried mit einem Zinnenkranz zu errichten und die Festungsbauten zu erweitern. Seine Söhne Johannes und Engelbert setzen den Ausbau der Burg fort. Sie sichern die Südflanke mit einem Zwinger.

Als wichtigste Erweiterung gilt der Bau des »Wittgensteiner Hauses«, das sich 1361 der Sohn Engelberts errichten läßt. Mit drei Flügeln bildet es ein Pendant zum bestehenden »Saynschen Burghaus« der »Johanneslinie« . Auf der mittleren Ebene des in drei Terrassen aufgegliederten Burghügels werden in den Folgejahren Häuser für die Burgwächter im Rittersstand, ihre Soldaten und zahlreiche am Hof verpflichtete Dienstadelige errichtet.

Auf der untersten Ebene liegen die Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Back- und Schreibstuben und die Münzstätte. Die jetzige Burgschenke ist ein ehemaliger Pferdestall. Außerhalb der Bastionsringe liegen das Forsthaus, ein Burgweiher, Scheunen und ein Turnierplatz, auf dem die Ritterspiele ausgetragen werden.

Als der Dreißigjährige Krieg ausbricht, ist die Anlage, die inzwischen sieben Türme aufweisen kann, weitgehend ausgebaut. Doch Graf Ernst von Sayn, der 1635 auf der Burg einzieht, begnügt sich nicht mit der der trutzigen Hochburg. Mit Blick auf die in Mode gekommene Schloßarchitektur beginnt er eine über 100 Jahre dauernde Umwandlung der Anlage in eine glanzvolle Residenz. Alle sieben Türme erhalten prächtige barocke Hauben.

Kunstschmiede, Bildhauer, Schreiner und Gartenbauer geben der gesamten Anlage eine neue Gestalt. Aus einem der Burgwächterhäuser auf der mittleren Ebene wird eine Orangerie. Neben dem prächtigen Tor zum Garten, das von den Figuren von Bacchus und Minerva bewacht wird, finden sich überall im Außenbereich zahlreiche Plastiken. Im Saynschen Haus wird die große barocke Treppe zu einem Meisterstück bergischer Handwerkskunst, die wir heute noch bei einem Gang durchs Museum bewundern können.

Nach der französischen Besetzung ist das Schloß dem Verfall und Abriß preisgegeben. Mit der Zerstörung des Wittgensteiner Hauses entsteht wohl der bedeutendste Verlust an historischer Architektur. Die Steine verwendet man zum Bau umliegender Straßen. Aus der Sicht der damals bitterarmen oberbergischen Bevölkerung, die die ganze Pracht mit Fronarbeit und Zwangsabgaben finanziert hat, wird das verständlich. Erst die Entscheidung des Bergischen Geschichtsvereins, ein Museum im Schloß unterzubringen, setzt 1926 dem totalen Untergang der Burg ein Ende und gleichzeitig den Beginn für die Wiedergewinnung der alten Bausubstanz.

Wer heute einen Ausflug zum Schloß Homburg macht, den erwartet alles andere als ein langweiliges Besichtigungsprogramm. In prächtigem Glanz erstrahlt die gesamte Anlage schon von Ferne aus den Wipfeln des dicht bewaldeten Hömerichberges. Wer zudem noch einen Besuch einer der zahlreichen Veranstaltungen wie den mittelalterlichen Handwerkermarkt miteinschließt, bekommt auch ein Burgerlebnis ganz besonderer Art. Ein buntes Treiben mit vielen orginellen Ständen der Krämer und Handwerker in ihren historischen Trachten, Speis und Trank aus alten Zeiten und Minnesängern, Tänzern, Gauklern oder Turnierspielen bieten jedem Besucher etwas.

Ein Gang in die Räume des Saynschen Hauses, heute das Schloßmuseum, setzt die Höhepunkte jeder Besichtigung. Von der rustikal eingerichteten Burgküche durch die eleganten Gemächern der Grafen bis zum furchterregenden Burggefängnis in einem der Treppentürme bietet sich ein anschauliches Bild vom Leben auf einer Burg. Die zahlreichen Säle, Zimmer, Fluchten und Treppenhäuser sind mit kostbarer Porträt- und Landschaftsmalerei, Landkarten, aber auch Handwerkszeug, Waffen und vielen kunstgewerblichen Einzelstücken ausgestattet. Nur selten hat man als Besucher so ausführlich die Gelegenheit, einen Blick in mittelalterliche Innenarchitektur, aber vor allem auch in die bergische Landesgeschichte zu werfen.